Vorbereitung auf eine Teilnahme am STUNT 100

Vorwort
Wenn Du hier laufen möchtest, dann sei Dir darüber klar, daß Du schlappe 161 km mit fetten Höhenmetern und jeder Menge Gestrüpp unterwegs überwinden willst. Das ist etwas anderes als ein Stadtmarathon. Das ist auch etwas anderes als ein 24-Stundenlauf auf der Bahn oder einer Straßenrunde.
Mach´ Dir nichts vor, Du bist hier spätestens nachts allein in der Wildnis, und das kannst Du genauso verstehen wie es hier geschrieben steht. Es sorgt niemand für Dich. Du musst in der Dunkelheit (natürlich auch am Tage) die Strecke selbst finden, mit Deinen Problemen und Selbstzweifeln und vor allem den Bedingungen allein klar kommen.

Wir wollen die Anforderungen nicht unnötig aufbauschen. Die schwersten, härtesten und tödlichsten Läufe der Welt soll es gern woanders geben. Insbesondere da, wo sich die Läufe selbst so bezeichnen. Mag auch sein, daß manch´ ein erfahrener Läufer über die Anmerkungen an dieser Stelle schmunzelt. Ich habe aber den Verdacht, daß einige Leser dieser Seiten 100 Meilen Trail-Laufen einfach massiv unterschätzen. Die Pest, die bereits im Marathon Einzug gefunden hat („Ich laufe mal einen Marathon, die anderen aus dem Büro machen das ja auch“) darf nicht auf 100 Meilen abfärben. Solchen Selbstüberschätzern möchten wir hier keine Plattform bieten. Das klappt nicht und geht auch nicht gut aus. Du tauchst hier in einer völlig anderen Welt.
Damit Du aber gut vorbereitet hier am Start stehst und Dein Finish wahrscheinlicher wird, gibt es die Hinweise auf dieser Seite. 🙂

Läuferische Qualifikation / Vorbereitung
Noch sind Qualifikationen keine verbindliche Pflicht. Um hier 100 Meilen Trail zu schaffen, solltest Du jedoch im direkten Jahr vorm STUNT bereits wenigstens einmal 100 Kilometer gelaufen sein. Gern auch Straße, Hauptsache die Distanz. Weil die Streckenbedingungen hier enorm schwerer sind als auf der Straße, solltest Du diese 100 km in allerhöchstes 14 Stunden sicher geschafft haben. Ansonsten bekommst Du hier ein Problem mit dem Zeitlimit.

Besser wäre noch ein 24-Stundenlauf mit einem Ergebnis von wenigstens 140 km. Mathematisch ist das zwar viel besser als unser Zeitlimit, Du kannst aber den Straßenlauf absolut nicht mit den Bedingungen hier vergleichen.

Diese Empfehlungen hier sind ausschließlich in Deinem eigenen Sinne!
Im Training müssen also Kilometer her. Sofern Deine Bedingungen zu Hause es zulassen, immer dicke mit Höhenmetern. Deine regelmäßigen langen Läufe brauchen nicht viel mehr als 50-55 km sein, sonst dauert auch bei gut trainierten Läufern die Regeneration zu lange.  Für mehr Kilometer auf dem Tacho nimm´ lieber immer mal wieder an einem Ultra teil. Bevorzuge dabei sofern möglich im Training und im Wettkampf unebene Trail-Strecken. Das ist einfach etwas anders als Straße. Mental nervt es Dich irgendwann und körperlich ist die Gefahr der Blasenbildung auf holperigem Untergrund viel größer. Mit beidem mußt Du hier klar kommen.

Orientierung
Eine gute Orientierungsfähigkeit kann genauso entscheidend für Dein Finish sein wie Deine reinen läuferischen Fähigkeiten. Wir haben hier gute Läufer gehabt, die leider immer geradeaus donnerten und sich ständig verliefen. Nachts haben wir uns echt Sorgen gemacht. Die meisten wurden jedoch wiedergefunden. Wir laufen hier ohne Streckenmarkierung und ausschließlich nach GPS-Track. Das bedeutet, Du musst mit Deinem Gerät gut umgehen können. Die Fähigkeit, es rein technisch bedienen zu können, reicht nicht aus. Nutze es vorher oft im Training.
Dein Zeitgewinn unterwegs ist enorm, wenn Du Dich präzise jederzeit orientierst und ständig weißt wo Du gerade bist. Der schnelle Läufer, der oft falsch abbiegt bekommt ein Problem. Der langsame Läufer, der sich ebenfalls schlecht orientiert, sieht hier das Ziel nie. Im Rennen muß Dir jederzeit bewusst sein, wo Du Dich aktuell befindest. Trainiere das bitte!

Sachlage ist, daß Du nach GPS-Track laufen wirst. Mach´ Dir das im Vorfeld bewusst sonst bist Du hier überrascht. Es bedeutet, Deine Fähigkeiten mit dem Gerät umgehen zu können müssen gut sein.
Du kannst das trainieren, indem Du regelmäßig in Dir völlig fremden Gebieten mal nach GPS-Track läufst.
Die Orientierung in der Nacht nach einsetzender Müdigkeit ist um ein Vielfaches schwieriger. Auch sehr helle Stirnlampen sorgen zwar für genug Licht um Hindernisse auf dem Weg zu erkennen, Du erkennst aber nicht die Landschaft als Orientierungshilfe um Dich herum sondern nur den Inhalt des Lichtkegels. Auch das will geübt sein. Glaube nicht, daß Du Dich beim STUNT 100 nie verlaufen wirst. Regelmäßige Orientierungsübungen sollten aber zu Deiner sorgfältigen Vorbereitung gehören.
Nachdem Du also am Tage das Orientieren beim Laufen in fremden Gegenden trainiert hast, probiere das im Dunklen. Kleiner Tip: Zunächst auf Dir bekannten Strecken. Das ist schwer genug. Gehe in Deinen Übungen nach dem Prinzip „vom Leichten zum Schweren“ vor. Zunächst Laufen in der Dunkelheit in der offenen Feldmark. Das geht meist noch. Dann in einem Dir bekannten Waldgebiet. Wenn Du das noch nie gemacht hast, wirst Du Dich wundern. Damit Du Dich nicht erst hier beim STUNT wunderst, tu´ das lieber schon zu Hause. Wenn Du das drauf hast, laufe nachts in fremden Wäldern. Mach´ es bitte!

Übe die Abläufe so, daß Du während des Laufs immer auf dem Gerät weißt wo Du bist. Solltest Du dann doch mal falsch abgebogen sein, bist Du schnell wieder auf Kurs.

Nachts im Wald allein
Wer es noch nie gemacht hat, der tue das bitte im Vorfeld zu Hause. Es knackt hier, es raschelt da, Dir leuchten im Schein Deiner Lampe Augen entgegen, es taucht ganz unverhofft 2m vor Dir im Lichtkegel irgendwas auf. Wir haben hier übrigens massenhaft Wildschweine. Je häufiger Du das vorher durchmachst, je weniger unangenehm ist Dir das womöglich beim STUNT.
Wer das hier bei uns womöglich erstmals erlebt und anfällig ist, der bekommt vielleicht Panik und die Orientierung ist hin. Wenn Du in Deinem heimischen Waldgebiet nie nachts gelaufen bist, wie willst Du das hier bewältigen?

Mentale Vorbereitung
Eigentlich überflüssig, darauf hinzuweisen. Niemand ohne Ultralauferfahrung sollte hier starten. Trotzdem: Befasse Dich bereits im Vorfeld mit den denkbaren Situationen und der Lösung, die Du finden wirst. Als Beispiele seien genannt:

Die Feststellung, daß Du Dich enorm verlaufen hast.
Scheinbar schwerwiegende Erschöpfung.
Irgendwelche körperlichen Schmerzen und wenn es verfluchte Blasen sind.
Die Feststellung, daß Du für die aktuell einsetzende Wetterlage völlig falsch gekleidet bist.

Als hoffentlich erfahrener Ultraläufer weist Du selbst, wo Du Deine mentalen Schwächen wie jeder Mensch hast. Finde bereits vorher Lösungen, falls sie auftreten. Unterwegs beim STUNT hast Du keine Kraft dazu.

Zusammenfassung
Streue am Besten in Dein Training regelmäßig (mind. 1x/Monat) einen Erlebnislauf ein. Nimm Dir einen GPS-Track und laufe in einem Dir völlig unbekannten Gebiet mehr als Marathon. Laufe diesen Lauf auf jeden Fall an dem Tag, an dem Du Dir ihn einplanst. Wenn das Wetter genau dann zu warm, zu kalt oder zu regnerisch ist, Du Streß hattest, eigentlich keine Zeit, schlecht geschlafen oder gefeiert hast oder was weiß ich, dann mach´ ihn trotzdem. Auch hier mußt Du unbequeme Dinge bewältigen. Teste Dich und Deine Ausrüstung, sowie Deine Fähigkeiten. Überwinde bei diesem Lauf mit Vorliebe besondere Schwierigkeiten die sich Dir stellen. Je mehr Du davon bewältigst, je besser bist Du vorbereitet auf den STUNT 100 in Sibbesse!
Ausrüstung:
Wir lehnen ausdrücklich Bevormundung durch Pflichtausrüstung ab! Wer hier persönlich eingeladen oder nach direkter Anfrage und Prüfung zugelassen wurde, ist kein Anfänger. Er ist erfahrener Trail-Ultraläufer auf richtig langen Strecken und weiß was er tut. Wenn ich dem jetzt vorschreibe, er soll einen Trinkflaschengürtel, eine Stirnlampe und eine warme Jacke mitnehmen, dann ist das echt albern, denn das sind Grundausrüstungsgegenstände, über die sowieso nicht zu diskutieren ist.
Als Organisator möchte Dir aber ausdrückliche Empfehlungen über Deine Ausrüstung geben, deren Einhaltung ratsam ist, aber in Deiner eigenen Verantwortung liegt. Ich halte es für einen Fehler, diesen Empfehlungen nicht nachzukommen!

Welche Ausrüstung zu wählen ist, ist natürlich auch stark wetterabhängig. Die Empfehlungen hier können nur Denkanstöße sein und beruhen überwiegend auf eigenen Erfahrungen.
Eigentlich brauchst Du nicht viel, Du bekommst ja eine Menge. Was willst Du alles mitschleppen? Du bist nicht bei einem mehrtägigen Etappenlauf in der Wüste und wirst von uns überwiegend verpflegt.

Bekleidung
Du bist schon groß und weißt, was Du bei welcher Wetterlage anziehst. Bedenke aber, daß Du hier sehr langsam unterwegs bist, häufig Stops zur Orientierung oder zur Verpflegungsaufnahme hast. Im Zweifel also ein wenig mehr Bekleidung.
Im Laufe des ganzen Tages und der ganzen Nacht haben wir natürlich auch bei stabilen Wetterlagen mit wesentlichen Temperaturänderungen zu tun.  Bei schlechtem Wetter ist es ein traumhafter Luxus, sich irgendwann auch mal komplett trockene Sachen anziehen zu können. Plane also ein, Dir für diverse Wetterlagen Wechselbekleidung mitzunehmen.
Du kommst immer wieder am zentralen Punkt in Sibbesse an, wo Du diese griffbereit lagern und Dich im Trockenen umziehen kannst. Auch unterwegs gibt es dazu einige Möglichkeiten an bestimmten Aid-Stations. Beachte dazu die Hinweise auf der Seite der Aid-Stations.

Technische Ausrüstung

  • Eigenes GPS-Gerät, welches Du sicher bedienen kannst.
  • Trinkflaschengürtel/-Rucksack – beachte auch dazu die Hinweise auf der Seite der Aid-Stations.
  • Stirnlampe – vorher Batterien und Funktionsfähigkeit prüfen!
  • Ersatzbatterien
  • Vaseline, Hirschtalg, BodyGlide gegen Wundscheuern/Blasen
  • Sonnenschutz
  • Toilettenpapier
  • Bis zu 2 mit eigenem Namen versehene Taschen zum Bereitstellen lassen von Wechselbekleidung/Ausrüstung unterwegs. Wir karren Dir das nach Möglichkeit dahin wo Du es brauchst.
  • Wir empfehlen unbedingt die Mitnahme eines Handys. Spätestens in der Nacht wirst Du Dich hier definitiv verlaufen. Per „Fernsteuerung“ haben wir bisher fast Jeden wieder auf den Kurs bekommen.
  • Schuhwerk: Ist wirklich stark wetterabhängig. Bei Sintflut wie 2007 sind gute Trailschuhe einfach erforderlich. Bei trockenem Wetter kommst Du mit einem normalen Laufschuh auch auf fiesen Trails gut hin. Vielleicht 1-2 Paar zusätzlich zum Wechseln. Kann ganz angenehm sein.

Eigentlich ist das das Wesentliche. Du kennst natürlich Deine eigenen Vorlieben. Wenn Du jedoch diese Checkliste berücksichtigst, dürfte zumindest nichts wirklich Wichtiges fehlen.

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